Alla buon’ora

di  Christa Reinig

Alla buon’ora nessuno si decise
e nessuno bussò
e nessuno si alzò
e nessuno aprì
e non c’era nessuno
e nessuno entrò
e nessuno disse: eccoti
e nessuno rispose: alla buon’ora.

L’originale, da qui, sta sotto. La versione è mia.

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Tutto sull’artista

Amo molto Gernhardt, il suo stile lapidario, il sarcasmo, gli scarti improvvisi, i contrasti alto/basso. Come in questa, presa da qui al solito:

Tutto sull’artista

di Robert Gernhardt

Corre l’artista su ghiaccio sottile.
Crea arte? Fa solo un porcile?

Calca l’artista una tenebrosa via.
La porta alla gloria? Alla follia?

Cade l’artista in volo ardito.
Pietra nel nulla? Astro nell’infinito?

Traduzione mia. Un altro coprolalico rifacimento è stato pubblicato qui.

Cave!

Cave hominem unius libri. Guardati dall’uomo di un libro solo.

Guardati dal rientro. Parola che fino a poco tempo per me non voleva dire granché, ora significa due ore pomeridiane, di cui una di fronte (in mezzo, a dire il vero, insegnante mobile) a forse la peggiore classe che ho, due ore da cui esco con chiodi che mi trafiggono le orbite e un bisogno di silenzio anacoretico, inesauribile.

Guardati dal portare centotrenta ragazzini a casa dentro una testa trafitta da chiodi. Man dreht sonst dann einmal durch, sagt die Freundin, die auch unterrichtet.


Rundbrief

Meine Liebe, dies war erst die Jugend,
Frühjahr tiefer Bitternis.
Herr Minister für Arbeit, Soziales und Sonne,
mir haben die Götter das Feuer gestohlen,
während Kosten mit mir spielten und
Blumen mich bissen, Rosen, abendrot.
Nun wächst Unkraut im Bett.
Es lachen die atombetriebenen Hühner,
und wenn ich mich umbringe,
wird es wegen einer Lappalie sein.
Verehrte Akademie für Dichtung und Maschinenbau,
das Leben ist schon so lange zu kurz.
Meine Tage sind vergangen wie Rauch,
die Hoffnung wurde zu Wasser.
Ich möchte Mitglied werden.

Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000, preso da qui.

Circolare

Mio caro, questa era la giovinezza,
primavera d’alta amarezza.
Signor Ministro del Lavoro, degli Affari sociali e del Sole,
gli dei m’han rubato il fuoco,
mentre i costi mi solleticavano e
i fiori mi mordevano, rose, color rosso serotino.
Ora mi cresce la gramigna nel letto.
Ridono i polli a propulsione nucleare,
e se mai m’ammazzerò
sarà per una bagatella.
Stimata Accademia della Poesia e dell’Ingegneria meccanica,
è già un bel pezzo che la vita è troppo corta.
Svaniti sono i miei giorni come fumo,
la speranza si è annacquata.
Vorrei iscrivermi.

(trad.mia)

Sentirsi così

Ah, antica e perfetta, ignoto l’autore e noto il sentimento del sé:

Selbstgefühl

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich bin nicht krank und bin nicht gesund,
Ich bin blessiert und hab keine Wund.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich tät gern essen und geschmeckt mir nichts,
Ich hab ein Geld und gilt mir nichts.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich hab sogar kein Schnupftabak,
Und hab kein Kreuzer Geld im Sack.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Heiraten tät ich auch schon gern,
Kann aber Kinderschrein nicht hörn.

Ich weiß nicht, wie mirs ist,
Ich hab erst heut den Doktor gefragt,
Der hat mirs unters Gesicht gesagt:

Ich weiß wohl was dir ist,
Ein Narr bist du gewiß;
Nun weiß ich, wie mir ist!

Dal Des Knaben Wunderhorn, il romantico “Corno magico del fanciullo”, inizio ottocento – ma preso da qui.

Alle spalle la porta tagliafuoco

im rücken die feuerschutztür

im rücken die feuerschutztür,

ihr metallisches flöten beim schließen. dass
der himmel wie fließpapier zustoßen wird, weißt du
jetzt nicht. wie er dein haus hält,
die streunenden schlüsselkinder –

ich geh in die binsen, ins ried
wie damals als mädchen, als längst
der blitzableiter in meinem Körper verkalkte

und ich das sirren der libelle vom wasser aus
für ein wort meiner mutter hielt.

Kathrin Schmidt, Go-In der Belladonnen, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, presa da qui.

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Foglietto d’appunti

Ovvero: Merkzettel. Mi segno quel che… se non fosse che poi io i foglietti dimentico di guardarli o di portarmeli appresso.

Merkzettel

Die schönen Frauen
die ich nicht beschlief.

Das Vaterland
das ich nicht rief

Die Traumgedichte
die ich mir nicht schrieb.

Sankt Brandans Insel
die mir übrigblieb.

Die Druckerei
die mich nicht druckt.

Der feige Tag
da ich nicht aufgemuckt.

Das schöne Leben
das ich nicht geführt.

Das ganze Elend
das mich nicht gerührt.

Peter Maiwald, Springinsfeld, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1992, da qui.

[«Nur ein Ort ist für das Ich begehbar: “Sankt Brandans Insel”, jene legendäre Zwischenstation seefahrender Mönche des Mittelalters, die sich auf ihrer unendlichen Fahrt nach dem “Land der Heiligen” im Kreis bewegen. Aber der Titel des Gedichts deutet an, dass diese Fahrt zum Verheißenen Land noch nicht zu Ende ist: Ein “Merkzettel” hat ja die Funktion, Stichworte für noch nicht ausstehende Projekte und noch nicht realisierte Handlungen festzuhalten. Daher ist auch eine Zukunft möglich, in der sich die Utopien des Ich verwirklichen lassen.»]

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